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Tipp des Monats - Stephan Lebert: Der blinde Fleck

: die vererbten Traumata des Krieges - und warum das Schweigen in den Familien jetzt aufbricht / Stephan Lebert, Louis Lewitan. - Originalausgabe - München : Heyne, 2025. - 302 Seiten

Wer sich der Vergangenheit seiner Familie nähert, stößt oft zuerst auf Leerstellen: auf ausgelassene Erzählungen oder hartnäckiges Schweigen. Genau in dieses Spannungsfeld führen Stephan Lebert und Louis Lewitan ihre Leserinnen und Leser in ihrem Buch, das sich der Aufarbeitung deutscher Familiengeschichten zwischen 1933 und 1945 widmet. Im Zentrum steht die Frage, wie viel von dieser Vergangenheit tatsächlich aufgearbeitet wurde und was bis heute ungesagt geblieben ist.

Besonders beeindruckt hat mich der weite Blick der Autoren: Sie zeigen sowohl die Familiengeschichten prominenter Persönlichkeiten wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Michael Kühne als auch die Erfahrungen ganz gewöhnlicher Menschen, etwa durch Straßenumfragen. Dadurch wird sichtbar, wie tief das Handeln früherer Generationen in die Gegenwart hineinwirkt. Neben den historischen Hintergründen beleuchtet das Buch vor allem die psychologischen Mechanismen des familiären Schweigens und zeigt, warum viele junge Menschen dieses Schweigen heute nicht mehr hinnehmen wollen.

Bereichert wird das Ganze durch praktische Hinweise zur eigenen Recherche der Familiengeschichte, die den Leser einladen, sich selbst auf Spurensuche zu begeben.

Eine klare Empfehlung für alle, die den Mut haben, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Empfohlen von Herrn Büchner, Praktikant der HTWK.

Standort:
Zentralbibliothek / 1. Etage
D 343
Lebe